Die Sultanskinder

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Die Sultanskinder

Höchst, um 1770
Radmarke mit Kurhut unterglasurblau
Modelle von Johann Peter Melchior
Porzellan, Aufglasur- und Goldmalerei
H. 18,5 cm
Inv. 1975.1314
Depositum der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung

Ausstellungsort: Haus zum Kirschgarten

Das Mädchen und der Knabe sind in kostbarer orientalischer Kleidung aus goldbortenbesetzter Seide dargestellt. Die Modellierung konzentriert sich im besonderen Mass auf die Stoffe, deren kunstvolle Drapierung den Blick gefangennimmt, zumal die Bewegung der Figuren gleichsam in den Seidenmassen erstarrt. Der Betrachter kann die schwere Qualität der gefütterten Umhänge nachvollziehen und bewundert den Kontrast der Unterärmel aus feinem transparentem Material zu dem etwas festeren des Kostüms. Das Märchenhafte, Dekorative des Orients, wie es in Stichwerken etwa des Recueil Ferriol (1712-1715, 1719/22 bei Weigel, Nürnberg) überliefert war, entsprach in besonderem Masse dem Geschmack des 18. Jahrhunderts. Im Gegensatz zur Chinoiserie fand die Turquerie - als letzter Reflex auf die Türkenkriege - mit ihrer Prachtentfaltung auch Eingang in die höfische Porträtmalerei: So liess sich die Marquise de Pompadour in drei Bildnissen als Sultanin malen. Beinahe alle grösseren Porzellanmanufakturen produzierten Türkenserien nach Stichen, doch halten sich diejenigen von Höchst nicht genau an die grafischen Vorlagen und wirken deshalb besonders ansprechend.