Abtropfschale
Abtropfschale
Meissen, um 1740/45
Porzellan mit Aufglasurbemalung
H. 11 cm
Dm. 20,9 cm
Inv. 2005.304.
Depositum Pauls-Eisenbeiss-Stiftung
Eine Schenkung von Frau Rosemarie Pauls bereichert den Sammlungsbestand der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung: Eine sehr seltene Abtropfschale aus Meissener Porzellan, bemalt mit sog. Holzschnittblumen, entstanden um 1740/45. Auf einem Teller steht, fest mit diesem verbunden, auf drei volutenartigen Beinen eine Schale mit kunstvoll durchbrochenem Boden. Die drei Voluten mit schuppenartiger Oberfläche wiederholen sich in umgekehrter Ausrichtung am oberen Rand der Schale.
So aussergewöhnlich diese Form im Bereich der Keramik ist, so geläufig ist sie beim metallenen Hausgerät. Rechauds, Gefässe zum Warmhalten von Speisen auf der Tafel, haben häufig eine vergleichbare Form. So finden sich bei ihnen die Voluten am oberen Rand, die dazu dienen, das darauf zu stellende Gefäss von den glühenden Kohlen fern zu halten und so die Luftzufuhr zu ermöglichen. Auch besitzen sie meist drei Füsse und drei am oberen Rand angebrachte Voluten; diese Dreizahl verhindert das Wackeln der darauf gestellten Gefässe. Die Funktion als Rechaud ist trotz der übereinstimmenden Formen für die kostbare und empfindliche Porzellanschale auszuschliessen. Es handelt sich vielmehr um die spielerische und fantasievolle Übernahme einer Form aus einer anderen Gattung, wie man es auch bei anderen Porzellanobjekten kennt. So gibt es Porzellangefässe, welche die Form von Holzfässern haben oder Schalen, die das Flechtwerk von Körben imitieren.
Das ungewöhnliche Objekt diente wegen der durchbrochen gearbeiteten Schale offensichtlich zum Abtropfen, sei es von sehr feuchtem Käse oder von frisch gewaschenen Früchten. Die bei den metallenen Vorbildern sehr funktionalen Voluten am oberen Rand sind bei der Schale zu reinen Zierformen geworden.
Mit der Funktion als Abtropfschale fügt sich das Objekt bestens in die kulturgeschichtlich ausgerichtete Sammlung der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung ein. Denn bei der Geschirrkeramik werden vor allem solche Objekte erworben, welche die faszinierend vielfältige Tafelkultur des 18. Jahrhunderts darzustellen vermögen.

